Barista-Meister und andere Peinlichkeiten
Jedes Jahr trifft sich im Februar auf der Ambiente die deutsche Barista (Kaffee-Barkeeper)-Szene in Frankfurt, um in einem mehrtägigen Wettbewerb den besten deutschen Kaffeekocher an der Espressomaschine zu küren. Da wird gemahlen, extrahiert, Milchschaum mit Mustern gegossen und Kaffeekreationen gemixt.
Auf den vorderen Plätzen landet nur, wer viel geübt hat, einen beachtlichen logistischen Aufwand leisten konnte und wer auch im Stress der Bühnenpräsentation den lockeren Plauderton nicht verliert.
Ach ja, natürlich müssen auch die Getränke perfekt zubereitet werden und der kritischen Jury schmecken. Am Ende steht das Ziel jeden Baristas (sollte man meinen) – der Gewinn der Deutschen Baristameisterschaft. Und dieser Titel ist nicht nur Prestige, ein hübscher Pokal und ein paar Pressetermine.
Wer Deutscher Baristameister ist, qualifiziert sich automatisch auch für den internationalen Wettkampf der besten Espressokocher aus aller Welt.
Einmal im Jahr treffen sich dafür nationale Baristachampions aus über 50 Nationen, um den Besten der Besten zu küren. Für die meisten ist der Gewinn der nationalen Meisterschaft nur ein Stück Weg hin zum großen Ziel – der Teilnahme (und vielleicht dem Gewinn) der ganz großen Meisterschaft. Mit viel Aufwand und möglichst vielen ebenso kaffeeverrückten Fans reisen sie an aus allen Teilen der Welt. Aus Afrika ebenso wie aus Asien, aus Russland ebenso wie aus Süd- und Mittelamerika, aus Australien und Neuseeland, von Island oder aus Litauen.
Billig ist so eine Teilnahme nicht, der Flug, die Übernachtungen, das ganze Gepäck, da kommt einige zusammen. Die meisten Barista haben Unterstützung von Ihren Arbeitgebern oder lokalen Sponsoren, selbst aus Ländern, denen es wirtschaftlich alles andere als gut geht, reisen die Bariste an, voller Stolz, ihr Land auf diesem Event vertreten zu dürfen. Doch nicht allen scheint der Stolz auf die Teilnahme an der Barista-WM die Brust schwellen zu lassen. Suchte man im April in Atlanta, da fand die Barista-WM statt, nach der deutschen Barista-Meisterin, suchte man vergebens.
Die mutige deutschen Teilnehmerin, die für Deutschland ins Rennen ging, war Stephanie Heidemann aus Wiesbaden, die Drittplatzierte der deutschen Baristameisterschaft. Sie hatte zum ersten Mal überhaupt in Frankfurt an einem Barista-Wettbewerb teilgenommen und ist noch relativ frisch in diesem Business. Ihr ist hoher Respekt zu zollen, dass sie sich trotzdem mit viel Mut und Elan in Atlanta auf die Wettbewerbsbühne gestellt hat.
Die tatsächliche deutsche Barista-Meisterin, die sich mit dem Titel schmücken darf, Nana Holthaus-Vehse, sagte ihre Teilnahme kurzer Hand mangels Masse, sprich eines Sponsors, ab. Und auch der Zweitplatzierte, Matthias Lincke, wollte wohl den ganzen Vorbereitungsstress für die WM nicht auf sich nehmen, und sah sich das ganze Spektakel in Atlanta lieber als Zuschauer an. Sehr viel peinlicher geht es ja wohl nicht! Vielleicht sollte sich der Veranstalter der deutschen Barista-Meisterschaft, das deutsche Chapter der SCAE (Specialty Coffee Association of Europe) im nächsten Jahr von jedem Teilnehmer unterschreiben lassen, dass sie/er mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft sich auch zur Teilnahme an der Barista-WM verpflichtet.
Vielleicht begreifen die Damen und Herren Kaffeekünstler dann, dass dieser Titel nicht nur ein Ticket zum beruflichen Erfolg ist, sondern auch eine gewisse Verpflichtung mit sich bringt!


1 Kommentar
es ist ja schon so viel zu diesem Thema geschrieben worden und das Thema ist ja eigentlich schon völlig durch und uninteressant. Die Art und Weise wie allerdings diese "Peinlichkeit" beschrieben wird liess mich erst hin und her überlegen ob ich darauf antworten soll. Nun tue ich es doch.
Ich stelle mir die Frage, ob Sie die Hintergründe und den Hergang Absage gründlich genug recherhiert haben. Anscheinend ist dem nicht so.
Ich kann Ihnen bestätigen, daß es für alle drei Teilnehmer eine Ehre gewesen wäre/ist an der WBC teilzunehmen. Nach all den intensiven Vorbereitungen und vielen investierten Trainingsstunden ist die Teilnahme die größte Ehre für einen Barista Meister - auch für unsere drei Erstplatzierten.
Recherchieren Sie in den bekannten blogs, was bereits über die Kosten zur Teilnahme an einer Weltmeisterschaft geschrieben wurde, und Sie werden über 4-5-stellige Kosten für den letzten USA trip incl Vorbereitung etc, etc. aufgeklärt. Gerne liefere ich einen Link.
Seit geraumer Zeit war bekannt, daß die Meisterschaft in den USA staffinden würde. Der SCAE Verband hatte nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung die Meisterschaftsteilnahme im erhofften Masse zu unterstützen, was uns zusammen mit dem SCAE veranlasste kurzfristig nach Sponsoren zu suchen. Wohl gemerkt war da der Ort der WBC schon über 12 Monate bekannt.
Wir sind eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland mit Mrd € Umsätzen. Wir haben eine intakte Kaffeeindustrie und auch das nötige Interesse von Seiten der Verbraucher. Ich stelle die Frage gerne zurück an Sie? Dürfen wir auf Ihre Unterstützung, als am Kaffeemarkt partizipierendes Unternehmen zählen, wenn es darum geht den kommenden Barista Meister 2010 nach England zu entsenden?