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Wie fair ist fair?

17.12.2009 - von: KaffeeFLECK

TransFair

Das FairTrade-Label ist sicher das weltweit bekannteste Zeichen für nachhaltige Kaffeeproduktion und faire Preise - für den Kaffeebauern.

Wer ein Päckchen FairTrade-Kaffee kauft, kauft sich damit auch ein gutes Gewissen, etwas gegen die Armut in der Erzeugerländern getan zu haben. Denn ein wichtiges Kriterium beim Fairen Handel ist es, einen garantierten Mindestpreis für die Erzeugnisse zu zahlen, der über dem Weltmarktpreis liegt.

Die Vorreiter der FairTrade-Bewegung in Deutschland waren die kleineren Röster (und auch ein paar größere, wie z. B. Darboven), die mit FairTrade Kaffee ein bisschen mehr Gerechtigkeit und Menschenwürde für die Kaffeebauern ermöglichen wollten, denn die drei Grundpfeiler des fairen Handels sind ...

1. ein garantierter Mindestpreis, der die Kosten einer Produktion im Sinne der Nachhaltigkeit deckt, und ein Leben in Würde ermöglicht.;

2. Die Möglichkeit der Vorfinanzierung der Produktion;

3. Langfristige Handelsbeziehungen (für eine nachhaltige Entwicklung).

Die Zuwächse der Fair gehandelten Kaffees sind enorm, jährlich werden etwa 10 Mio. 500g-Päckchen Kaffee mit dem FairTrade-Siegel verkauft (Quelle: TransFair).

Doch was bedeutet das eigentlich für die Produzenten? So zahlt FairTrade einen vertraglich festgelegten Betrag von mindestens 10 US-cents pro englischem Pfund/lbs (=0,4536kg) Rohkaffee mehr als der Weltmarktpreis für den Kaffee. Der Aufschlag auf den Weltmarktpreis wird ohne Begrenzung nach oben gezahlt. Für Kaffees, die zudem noch aus biologischem Anbau kommen, wird ein zusätzlicher Aufschlag von 20 cents/lbs bezahlt.

Die Kaffeeröster zahlen neben der Summe für den Rohkaffee eine Lizenzgebühr von 0,11 € pro Pfund Röstkaffee an den TransFair e.V., den deutschen Lizenzgeber von FairTrade.

Doch in letzter Zeit wurde Kritik an FairTrade bzw. TransFair laut, im vergangenen Jahr haben sogar zwei deutsche Röster, die langjährige Lizenznehmer bei TransFair waren, die Organisation verlassen. Ist fair plötzlich nicht mehr fair?

Ein oft geäußerter Kritikpunkt ist die nicht ganz transparente Preiszusammensetzung bei fair gehandelten Produkten. So kostet ein fair gehandeltes Produkt im Vergleich zu einem ‚normal‘ gehandelten Produkt oft mehr als der reine Aufschlag, den der Produzent für sein Produkt erhält. Diese Differenz wird von Verwaltungs- und Kontrollkosten der Organisationen aufgebraucht oder von Einzelhändlern abgeschöpft.

Ein weiterer, massiver Einwand ist die zunehmende Öffnung der fairen Handels für Massenmärkte und Discounter wie Aldi, Lidl & Co. Durch die Kooperation mit den großen Konzernen sehen viele kleinere Röster die Ziele und Ideale der fairen Bewegung verraten, da es ja mal ursprünglich gerade darum ging, dem Preisdumping und der Marktbeherrschung der Großkonzerne eine Alternative, ein „faires“ Produkt entgegenzusetzen. Diese Gründe waren auch für Klaus Langen von der Langen Kaffee (Medebach) und Hanspeter Hagen von Hagen Kaffee (Heilbronn) ausschlaggebend für ihren Rückzug bei TransFair.

Seinen Austritt bei Trans Fair begründet Hanspeter Hagen in einem offenen Brief auf der Firmenhomepage an Freunde und Geschäftspartner unter anderem so:

„(…) Seit 2006 ermöglicht TransFair Deutschland, Kaffee auch über die Discounter zu verkaufen, die die Ursache für den Preiskampf und somit auch verantwortlich für die Unterbezahlung der Kaffeebauern sind. Zudem verschlingt die Organisation immer mehr Gebühren für die Bürokratie und Verwaltung der Marke Fair Trade. Beim Lizenznehmertreffen von TransFair im September 2008 in Köln wurde uns mitgeteilt, dass nicht nur die Firma Lidl seit 2006, sondern nun auch Aldi, Tchibo und Nestle Mitglieder geworden sind. Für uns hat damit TransFair Deutschland die gemeinsame Philosophie und Geschäftsgrundlage verlassen. Wir sahen uns daraufhin gezwungen, die 15 jährige Mitgliedschaft der Firma Hagen Kaffee Heilbronn bei TransFair aufzukündigen.“

Ist Fair so noch fair? Was meint Ihr, sollte der Faire Handel auf hohe Marktanteile und Umsätze setzen oder sich eher auf kleine Marktnischen beschränken?

4 Kommentare

  • Chris14 schrieb am 21.01.2010, 10:26 Uhr
    Genau vor einer Woche erklärte Andrea Illy, Präsident und Vorstandsvorsitzender des italienischen Kaffeerösters Illycaffè im Handelsblatt: "Wir machen keine Geschäfte mit der Nachhaltigkeit", ... "Die Motivation für den Kauf ist das Aroma, die Qualität."

    Zur Nutzung des Fair Trade-Label sagte er; ..."Fair Trade funktioniert nur auf der Basis des Minimumpreises, den die Bauern bekommen, egal welche Qualität. Der Produzent und auch der Käufer muss bezahlen, um zertifiziert zu werden. Fair Trade kassiert von beiden Seiten , damit sie das Label benutzen können. Die Bauern könnten mehr verdienen, wenn die beiden Seiten nicht die Gebühren für Fair Trade abdrücken müssten !"

    Quelle: aus Handelsblatt, 14.01.2010
  • Andy80 schrieb am 23.12.2009, 18:03 Uhr
    TransFair.org verlinkt auf die Online Shops von Hagen Kaffee und Langen Kaffee. Auch ohne Gütesiegel. Alles nur ein PR-Gag?
  • Steinmann schrieb am 19.12.2009, 16:39 Uhr
    Das die Siegelorganisation „TransFair“ ihre großen Lizenzpartner präferiert behandelt (siehe TransFair.org), ist doch allen bekannt. Die Vielzahl kleiner Kaffeeröster (einige hundert) werden einfach links liegen gelassen.
  • Chris14 schrieb am 19.12.2009, 13:41 Uhr
    Ich halte nichts von „zertifizierten Kaffees“ und den Reklamerummel um GUT (FAIR) vs. BÖSE.

    Es ist doch auffällig, dass hier einige Firmen nur ihr Image aufpolieren möchten.

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